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E-Mail-Regeln als Einfallstor: Wie Angreifer Microsoft 365 nach einer Kontoübernahme kontrollieren

Stefan Feist | Technischer Redakteur
Autor: Stefan FeistTechnischer Redakteurhttps://www.linkedin.com/in/stefan-feist-23b257b0/–Auf LinkedIn vernetzen

E-Mail-Regeln dienen eigentlich dazu, den Posteingang zu organisieren: Nachrichten automatisch verschieben, weiterleiten oder als gelesen markieren. Genau diese Funktionen machen sie für Angreifer attraktiv, sobald ein Konto kompromittiert ist. In vielen Fällen wird kurz nach dem ersten Zugriff mindestens eine schädliche E-Mail-Regel angelegt – manchmal innerhalb weniger Sekunden nach dem unautorisierten Login. Wir zeigen Ihnen, wie solche Angriffe funktionieren und wie Sie sich schützen können.

24.07.2026|zuletzt aktualisiert:23.07.2026

Welche schädlichen Regeln werden angelegt?

E-Mail-Regeln lassen sich über mehrere Wege anlegen oder ändern: über die Microsoft-Graph-API, per PowerShell, über den Web-Zugang zu Outlook oder über den Desktop-Client.

Am häufigsten treten Weiterleitungsregeln an externe Adressen sowie Regeln auf, die Nachrichten manipulieren, um sie dem Blick des Nutzers zu entziehen. Welche Zwecke Angreifer damit konkret verfolgen, zeigt der nächste Abschnitt. Eine dritte, deutlich seltenere Variante ist das massenhafte Anlegen von Regeln über kompromittierte Administratorkonten.

Für IT-Sicherheitsverantwortliche ist das in der Praxis eine Herausforderung: Da Nutzer auch aus völlig legitimen Gründen ständig E-Mails weiterleiten oder Ordner organisieren, lässt sich aus der Menge an Alarmen nur schwer herausfiltern, welche Regeln tatsächlich bösartig sind.

Es lohnt sich daher, den Inhalt von Abwesenheitsnotizen auf das Nötigste zu beschränken und interne Details wie Vertretungsnamen oder Kontaktwege nach Möglichkeit nicht standardmäßig nach außen zu kommunizieren.

Welche Ziele hat der Regel-Missbrauch?

Aus dokumentierten Angriffsfällen lassen sich vier wiederkehrende Ziele ableiten:

  • Verdeckte Datenexfiltration

    Weiterleitungs- oder Umleitungsregeln senden Kopien relevanter E-Mails automatisch an extern kontrollierte Postfächer, häufig gefiltert nach Schlüsselwörtern wie „Rechnung“, „Überweisung“ oder „Vertrag“.

  • Verschleierung des Angriffs

    Regeln, die Nachrichten löschen, als gelesen markieren oder verschieben, unterdrücken Sicherheitswarnungen, Passwortreset-E-Mails und MFA-Benachrichtigungen – also genau jene Hinweise, die eine Kompromittierung aufdecken könnten.

  • Persistenz ohne Schadsoftware

    Eine aktive Weiterleitungsregel überlebt einen Passwortwechsel. Solange sie nicht entfernt wird, fließen Informationen weiter ab, selbst wenn der eigentliche Kontozugriff längst beendet wurde.

  • Manipulation der Kommunikation

    Werden bestimmte Korrespondenzen gezielt in versteckte Ordner umgeleitet, können Angreifer Nachrichten von Lieferanten oder Kunden abfangen, sich als Kontoinhaber ausgeben oder sich in bestehende E-Mail-Verläufe einschleusen – mit ähnlichen Effekten wie bei einem klassischen Man-in-the-Middle-Angriff, jedoch ohne, dass dafür eine Position im Netzwerk nötig wäre.

Wie ein realer Angriff ablaufen kann

Ein dokumentierter Fall zeigt, wie sich Regelmissbrauch und internes Phishing zu einem gezielten Gehaltsbetrug verbinden lassen:

Nach der Übernahme des Kontos einer Buchhaltungsmitarbeiterin legten die Angreifer eine Regel an, die E-Mails mit einem bestimmten Betreff automatisch ins Archiv verschob. Denselben Betreff verwendeten sie anschließend in einer internen Phishing-Kampagne an 45 weitere Beschäftigte – darunter den Assistenten der Geschäftsführung, dessen Konto ebenfalls kompromittiert wurde. Dort wiederholte sich das Muster mit einer zweiten, thematisch passenden Regel, bevor eine betrügerische Zahlungsanweisung an die Gehaltsabrechnung ging. Weil Rückfragen und Warnhinweise durch die Regeln unterdrückt wurden, blieb der gesamte Vorgang für die Betroffenen zunächst unsichtbar.

Worauf Sie achten sollten

Es gibt eine Reihe typischer Warnsignale, die auf einen Angriff mittels E-Mail-Regeln hinweisen:

  • Automatische Weiterleitungen an unbekannte Adressen

  • Regeln, die Nachrichten in Ordner wie Notizen, Junk-E-Mail oder RSS-Feeds verschieben

  • Auffällige Einträge in den Ordnern „Gesendete Objekte“ oder „Gelöschte Objekte“.

  • Änderungen an den Kontaktdaten im globalen Adressbuch oder ungewöhnlich häufige Passwortänderungen

Für die konkrete Bewertung eines Alarms zu einer Weiterleitungsregel empfiehlt Microsoft unter anderem folgende Prüfschritte:

  • Empfänger der Regel

    Handelt es sich um eine unternehmensfremde, externe Adresse oder um ein weiteres, legitimes Postfach derselben Person?

  • Filterkriterien

    Zielt die Regel auf verdächtige Schlagworte wie Finanzen oder Zugangsdaten ab, oder leitet sie ausnahmslos alle Nachrichten weiter?

  • Kontext der Anmeldung

    Passen IP-Adresse, Internetanbieter und Standort zum bisherigen Nutzerverhalten, oder gab es im Vorfeld weitere auffällige Anmeldeversuche?

Größere Organisationen können solche Kriterien zusätzlich über gezielte Protokollabfragen automatisieren, etwa um festzustellen, ob mehrere Nutzer Regeln mit demselben verdächtigen Ziel angelegt haben – ein möglicher Hinweis auf eine breit angelegte Kampagne.

Die wichtigsten Sofortmaßnahmen

Ist ein Konto vermutlich kompromittiert, empfiehlt Microsoft ein mehrstufiges Vorgehen:

  • Konto deaktivieren oder, falls das nicht möglich ist, das Passwort zurücksetzen. Wichtig dabei: das neue Passwort nicht per E-Mail an den Nutzer schicken, da der Angreifer zu diesem Zeitpunkt noch Zugriff auf das Postfach haben könnte.

  • Aktive Sitzungen und Tokens widerrufen, damit gestohlene Zugangsdaten sofort ungültig werden.

  • MFA-Geräte und App-Berechtigungen überprüfen und unbekannte Geräte oder Zustimmungen entfernen.

  • Zugewiesene Admin-Rollen kontrollieren und nicht benötigte Berechtigungen entziehen.

  • E-Mail-Weiterleitungen und Postfachregeln prüfen – sowohl auf Mailbox-Ebene (SMTP-Weiterleitung) als auch auf Regelebene, inklusive versteckter Regeln, und alle nicht autorisierten entfernen.

Ein einfacher Passwortwechsel allein reicht dabei nicht aus, da eine bestehende Weiterleitungsregel unabhängig vom Passwort aktiv bleibt und Sitzungs-Tokens gesondert widerrufen werden müssen.

Das Risiko sinkt vor allem durch drei Maßnahmen: die automatische Weiterleitung an externe Adressen standardmäßig zu unterbinden, Multi-Faktor-Authentifizierung und bedingten Zugriff konsequent durchzusetzen sowie neue OAuth-Zustimmungen und Anwendungsberechtigungen aktiv zu überwachen.

Wie NoSpamProxy Sie schützt

Die wirksamste Verteidigung gegen die beschriebenen Angriffe setzt bereits an, bevor eine schädliche Regel überhaupt angelegt werden kann: bei der Kontoübernahme selbst, also an den Stellen der Angriffskette, die über den E-Mail-Verkehr laufen.

Verhindern des initialen Zugriffs

Da die beschriebenen Angriffe überwiegend mit Methoden wie Credential Phishing beginnen, ist die zuverlässige Abwehr solcher E-Mails der wirksamste Hebel gegen die gesamte Angriffskette. Der URL Safeguard von NoSpamProxy prüft Links nicht nur bei Zustellung, sondern auch beim tatsächlichen Klick und erkennt so auch Phishing-Seiten, die erst nachträglich aktiviert werden. Dieses nachträgliche Aktivieren ist ein Vorgehen, das viele klassische Filter umgeht, die nur einmalig zum Zustellzeitpunkt prüfen. Mit NoSpamProxy sind Sie geschützt.

Eine mehrstufige Prüfung der Absenderreputation über SPF, DKIM und DMARC erschwert den Einsatz gefälschter Absenderadressen und macht es Angreifern deutlich schwerer, sich als vertrauenswürdiger Kontakt auszugeben.

Heuristische und KI-gestützte Analyseverfahren in 32Guards identifizieren verdächtige Muster auch bei neuartigen, bislang unbekannten Kampagnen. Content Disarm and Reconstruction (CDR) entschärft Office- und PDF-Anhänge automatisiert, unabhängig davon, ob eine passende Signatur bereits bekannt ist, und eine Sandbox-Analyse prüft potenziell schädliche Dateien, bevor sie überhaupt im Postfach landen.

Eindämmen der internen Weiterverbreitung

In den dokumentierten Fällen nutzen Angreifer ein bereits kompromittiertes Konto, um eine interne Phishing-E-Mail an zahlreiche Kollegen zu verschicken – oft der Schritt, der den eigentlichen Schaden verursacht. Ob NoSpamProxy auch diese Nachrichten erfasst, hängt von der Integration ab: Läuft nur der Verkehr von und nach außen über das Gateway, bleibt rein interne E-Mail außen vor.

Wird der interne E-Mail-Fluss ebenfalls durch NoSpamProxy geführt, greifen dieselben Prüfmechanismen – Link-Analyse, Anhangsprüfung, Verhaltensmuster – auch bei Nachrichten, die innerhalb der eigenen Organisation verschickt werden. Für Unternehmen, die dieses Risiko ernst nehmen, lohnt sich daher ein Blick auf die eigene Mailflow-Architektur.

Schutz der Domainreputation nach außen

Eine konsequente Durchsetzung von SPF, DKIM und DMARC erleichtert es auch Kunden und Lieferanten, gefälschte Nachrichten im Namen der eigenen Domäne zu erkennen oder gar nicht erst zugestellt zu bekommen. Das schützt nicht nur die eigene Organisation, sondern auch die Geschäftspartner, die sonst zum Ziel von Betrugsversuchen mit gefälschter Absenderdomäne würden, zum Beispiel bei nachgelagerten Angriffen wie dem oben beschriebenen Gehaltsbetrug.

Ein Baustein im mehrschichtigen Schutzkonzept

NoSpamProxy deckt zuverlässig den Teil der Angriffskette ab, der in der Praxis am häufigsten den Ausgangspunkt bildet: den initialen Zugriff über eine Phishing-E-Mail. Wird dieser Zugriff verhindert, entsteht die schädliche Postfachregel gar nicht erst, und das ist die wirksamste und günstigste Form der Absicherung. Ergänzend dazu bleiben konsequente Identitätssicherung durch MFA und Conditional Access sowie die laufende Überwachung von Regeländerungen und Anmeldeverhalten wichtig, damit im Ernstfall schnell reagiert werden kann.

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